„Gutes Fleisch, dieses Stück Genuss, soll für jeden Geldbeutel erreichbar sein. Auch ein Azubi soll sich ein besonderes Stück Qualität leisten können.“ Greta & David Schrand, Gründer von eatventure
Vom Start Up zum Player: eatventure revolutioniert seit 10 Jahren die Fleischwelt

Der Traum vom guten Fleisch

Startkapital war ein verkauftes Auto und die Idee hätte zum Entstehungszeitpunkt nicht unpopulärer sein können: In der Fleischbranche arbeiten. David und Greta Schrand bringen mit eatventure heute erfolgreich Magie auf den Teller: extrem gutes Fleisch, das von der nachhaltigen Aufzucht bis zur Reife das Ergebnis leidenschaftlichen Handwerks ist – und deutschlandweit hochgeschätzt wird.

Am Anfang haben Greta und David Schrand sieben Tage die Woche gearbeitet. „Einerseits war unglaublich viel zu tun, andererseits hatten wir einfach Bock drauf und unheimlich Spaß“, erklärt David. „Es war eine super intensive Zeit, aber wir hatten gleichzeitig auch ein extremes Zufriedenheitslevel.“ Für ihn war von Anfang an klar, dass er Greta mit im Boot haben wollte. „Sonst hätten wir uns ja gar nicht mehr gesehen!“, lacht er und ergänzt: „Gemeinsam fühlte sich das Ganze für uns auch nicht nach Arbeit an, eher wie ein cooles Abenteuer, das auch noch für richtig gutes Essen auf dem Teller sorgt.“ Greta befand sich als Sozialpädagogin gerade im Jobwechsel, als David sie für eatventure einspannte. Acht bis zwölf Wochen wollte sie sich das anschauen. „Daraus sind jetzt zehn Jahre geworden!“, lachen die beiden selbst ein wenig ungläubig.

Wenn echtes Interesse sich seinen Weg bahnt

David war schon als Schüler neugierig und hatte Bock aufs Grillen. „Ich hatte mir damals englische Kochbücher aus den USA bestellt, weil ich wusste, dass die irgendwie stundenlang was im Rauch garen und das hinterher so zerrupfen. Das kannte man hier gar nicht.“ Also baute er sich mit Hilfe von Opas Schweißgerät seinen ersten eigenen Smoker und probierte aus.

Als er sein Abi in der Tasche hatte, machte er eine kaufmännische Ausbildung in einem Schlachthof – in einer Zeit, in der der Großteil der Gesellschaft Fleischwaren mit Skandalen verband: In den frühen 2000ern gab es BSE, den Verbrauchern wurde von einem Netz aus Schlachtern, Händlern, Lieferanten und Fleischverarbeitern überlagertes, abgelaufenes oder falsch deklariertes Fleisch untergejubelt. „Ich wurde gefragt, 'Fleischbranche, da will doch keiner arbeiten, warum du?!’, ich wollte einfach mehr erfahren und wissen, wie man gutes Fleisch organisieren kann. Die Ausbildung war offiziell zwar im Büro, aber ich habe natürlich auch die Abläufe im Betrieb kennengelernt und die Netzwerke.“

Eine absolut unpopuläre Idee

Mit Anfang zwanzig hatte er vom zeitlich überspitzten Abhängen von Fleisch, dem Dry Aging, gehört und fing an, sich intensiver damit zu beschäftigen. Von anderen Metzgern und Fleischern wurde er dafür bestenfalls belächelt: ‘Viel zu große Verluste! Da muss man doch ständig noch was abschneiden!’ Auch für Landwirte war die Idee, Fleisch nicht auf möglichst viel Masse basierend zu wirtschaften, eine, die absolut aus dem System fiel. Und die Familie? „Die war von der Qualitätssteigerung beeindruckt“, schmunzelt David.

An die Ausbildung hing David ein Studium zum Fleischtechnologen. Grob gesagt, geht es dabei um Lebensmittelsicherheit, Verarbeitung und Haltbarmachung von Fleisch. Im Detail dreht sich vieles um Technik und die Wechselwirkungen biochemischer, physikalischer und mikrobiologischer Abläufe. Die Studienprojekte sprachen bereits für sich: In Davids Studentenbude standen schließlich so viele Tiefkühlschränke, dass er aus dem dritten Stock regelmäßig zum Sicherungskasten herunterlief, weil die Last zu groß war – weil immer mehr Freunde Fleisch wollten. „Da wuchs damals die Idee, dass ich damit einen Shop betreiben sollte“, erzählt er über die Erinnerung lachend.

Innovation aus Leidenschaft: Das ShioMizu® Verfahren

David  tüftelte weiter mit dem Wissen über die biochemischen Prozesse hinter gutem Fleisch – überzeugt davon, dass man das Gute im Fleisch auf die Spitze treiben kann. Das Ergebnis ist das von ihm entwickelte und patentierte ShioMizu®-Verfahren. Dabei wird das Fleisch in unterschiedlichen Intervallen mit einer Urmeersalzsole besprüht. Durch die Veredelung erreicht es eine Zartheit und Geschmackstiefe, die David zum Pionier der Branche gemacht hat: Seine Fleischveredelungsmethode findet sich in den Fleischsommelier-Schulungen und Lehrinhalten in ganz Deutschland wieder.

Doch Qualität beginnt für ihn weit vor der Reifekammer. David setzt bereits bei den Landwirten an. „Der Geschmack beginnt beim lebenden Tier“, ist seine Überzeugung. Deshalb zahlt eatventure Prämien für besondere Haltung und Fütterung. Dafür war er viel auf Achse und legte in einem einzigen Jahr unfassbare 160.000 Kilometer zurück – immer auf der Suche nach Partnern, die seine leidenschaftliche Einstellung zu Qualität teilen. Ob heimisches Rind oder exklusive Sorten wie das Red Heifer – kurze Wege und eine nachhaltige Erzeugung vor Ort sind das Fundament, damit das Steak auf dem Teller nicht erst die halbe Welt umrunden muss. Fleisch gehört nicht täglich auf den Teller, „aber wenn, dann sollte es nachhaltig und von hoher Qualität sein.“

Onlineshop für Privatkunden, Genuss-Welt und Gewerbekunden

Dass eatventure nicht nur ein Onlineshop für Privatkunden bleiben konnte, zeichnete sich schnell ab. Das Lager war zwar voll, die Ware aber immer schon bestellt und reserviert. Weil aber regelmäßig Menschen im Industriegebiet in Werlte im Emsland vor Ort einkaufen wollten, gab es 2018 den ersten Lagerverkauf: Um 11 Uhr sollte es losgehen. „Um 11:15 Uhr standen hier 450 Leute, wir waren völlig überrannt und wussten: Wir müssen uns weiterentwickeln.“ Darüber hinaus meldeten sich immer mehr Gewerbekunden mit Anfragen.


Heute ist eatventure nicht nur ein Onlineshop, sondern auch Lagerverkauf mit Weber-Store und einer Grill-Schule mit etwa 2.000 Teilnehmern pro Jahr. Außerdem veranstaltet eatventure regelmäßig Eventtage bei denen gut 2.500 Besucher Genuss-Auszeiten feiern. Im Sortiment hat das einstige Start Up, das 2026 seinen 10. Geburtstag feiert, hunderte verschiedene Steaks, aber auch „Genusshelfer“, wie Burger Buns, Saucen und Gewürze. Fast 40.000 Menschen folgen den beiden in den sozialen Medien.

Von FOCUS Money wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet als eines der 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland. Die Financial Times und Statista zeichneten eatventure als eines der schnellstwachsenden Unternehmen in der EU aus. Wie geht man damit um? „Ehrlich gesagt, fühlt sich das für uns ziemlich verrückt an“, sagt Greta.

„Ich hol mal eben noch jemanden dazu…“ – Wie David Edeka überzeugte

Dass die Produkte heute im Supermarkt zu finden sind, ist keinem klassischen Vertriebsdeal zu verdanken. Ein Mitarbeiter der Edeka-Zentrale war bereits begeisterter Privatkunde und lud ihn ein: „Komm doch mal vorbei und stell das vor.“ Wer die Branche kennt, weiß: In die Zentrale kommt man nicht mal eben so und hat nur wenige Minuten Zeit zu überzeugen. David fuhr trotzdem hin, briet etwas nervös, aber überzeugt sein Fleisch – und flashte die Profis. „Boah, ist das gut! Warte mal kurz, ich hol’ noch jemanden dazu“, hieß es immer wieder, bis die halbe Edeka-Zentrale sich um sein Fleisch versammelt hatte. Heute ist eatventure stolzer Partner von Bünting (Combi, famila) sowie vielen Edeka-Märkten im Norden.

Expansion: Das neue Genuss-Center und der Sprung nach Krefeld

In Werlte platzt eatventure längst aus allen Nähten, sodass die beiden beschlossen haben, auf einem neuen Grundstück eine größere Halle zu bauen. Hier geht es nicht nur um den schnellen Einkauf, sondern um das Erlebnis: Grillschule, Weber-Store und ein Ort, an dem man in die Leidenschaft für Fleisch eintauchen kann. Es soll ein echtes Genuss-Center entstehen. „Hinter dem Grundstück liegt zudem ein Waldstück, in das die Gemeinde investiert, sodass unsere Besucher ihre eatventure-Zeit auch noch mit einem Ausflug in die Natur verbinden können“, erklärt David.

Und der Erfolg zieht Kreise: In Krefeld eröffnet eatventure bald eine erste Filiale. Ein engagierter Mitarbeiter trieb das Projekt voran und fand einen 350 Quadratmeter großen Standort an einer belebten Straße. David war bei der ersten Besichtigung der Halle untypisch still – nicht weil es ihm nicht gefiel, sondern weil er vor seinem geistigen Auge bereits das fertige Center sah. „Das ist schon eine verrückte Geschichte, wenn man sich das rückblickend anschaut“, schmunzeln er und Greta.

Ein Familienunternehmen, das „atmet“ und den eigenen Werten treu bleibt

Trotz des Wachstums ist eatventure ein Familienbetrieb geblieben. Greta und David haben inzwischen drei Kinder. Das hat Davids Vision geschärft: Das Unternehmen soll so stabil laufen, dass es auch ohne ihn funktioniert – nicht für Zeit in der Hängematte, sondern für die Familie und neue Ideen. Ein kleines Team aus Experten kümmert sich um die tägliche Fleischreife, schaut, misst, tastet, riecht und optimiert, während eatventure weiter wächst.

Stoßen David und Greta dabei auf ein Problem, lösen sie es nach emsländischer Manier – und haben zum Beispiel eine eigene Versandbox aus Holzfasern entwickelt. „Musste ja. Die anderen Versandmaterialien entsprachen nicht unseren Anforderungen“, sagen die beiden lapidar. Heute ist die Box so effizient, dass sie selbst längere Versandwege problemlos überbrückt und danach einfach in der Biotonne entsorgt werden kann. Ihr Mut zur Unabhängigkeit sorgt dafür, dass ihre Leidenschaft direkt beim Kunden ankommt. Investorenangebote haben die beiden nach reiflicher Überlegung immer abgelehnt, „auch, wenn es phasenweise verlockend war“. Sie wollten sich selbst und ihren Werten treu bleiben und keine Kompromisse machen, nur um eine Rendite zu bedienen. eatventure sollte ein echtes Familienunternehmen bleiben.

Das Highlight an Heiligabend

Die stressigste Zeit des Jahres ist bei eatventure neben der Grillsaison die Vorweihnachtszeit. Wenn dann am Heiligabend bei Familie Schrand das Essen auf den Tisch kommt, hält David kurz inne. Das Wissen, dass in diesem Moment zeitgleich rund 10.000 Kunden deutschlandweit seine Produkte auf dem Teller haben, macht ihn glücklich. „Man gibt ein Stück von sich selbst ab“, sagt er.