Foto: Almishots Fotostudio, Haselünne
Der Historische Korn- und Hansemarkt entführt ins mittelalterliche Haselünne. Foto: Almishots Fotostudio, Haselünne
Historischer Korn- und Hansemarkt in Haselünne

Katapult ins Mittelalter

Musik, Gesang, altes Handwerk und 4.000 Gewandete beim Festumzug: Im September dreht Haselünne die Zeit zurück. An über 200 Ständen wird auf dem Korn- und Hansemarkt echtes Handwerk gezeigt, begleitet von Gauklern, Taschenspiel, Theater und Feuerspektakel.

Wenn Haselünne vom 11. bis zum 13. September 2026 zum 22. Historischen Korn- und Hansemarkt einlädt, taucht die Innenstadt ab ins Hochmittelalter. Da zieht der Duft von über Buchenholz gebackenem Brot durch die Ritterstraße, während ein paar Meter weiter der Schmiedehammer rhythmisch auf den Amboss schlägt. Für drei Tage verschwindet der moderne Alltag hinter Strohballen, Holzständen und grobem Leinen.

Altes Handwerk zum Anfassen und Zuschauen

An über 200 Ständen rund um den Westerholt’schen Burgmannshof und in den Gassen der Altstadt wird die Geschichte der Hansezeit nicht nur ausgestellt, sondern konkret ausgeübt. Drechsler, Seifensieder und Korbmacher zeigen ihre Arbeitsschritte direkt vor Ort. Wer hier entlangschlendert, schaut zu, wie aus einem rohen Stück Holz ein Löffel entsteht oder wie Wolle gefärbt wird. Dazwischen mischen sich Gaukler und Spielleute, die auf den Straßen und in den Höfen der alten Kornbrennereien für die passende akustische Kulisse sorgen.

Einer der Höhepunkte dieser Zeitreise ist traditionell der späte Freitagnachmittag, wenn sich der große Festumzug in Bewegung setzt. Fast 4.000 Gewandete – von Burgmännern über Marketenderinnen bis hin zu Kaufmannszügen – ziehen dann mit Hansewagen, Fasswagen und Erntewagen durch die Stadt, begleitet von Musikern, Gauklern und der königliche Ehrengarde. Die Eröffnung des Korn- und Hansemarktes ist ein stilecht gestaltetes Groß' Trara mit Clownerie, Musik, Jonglage, Taschenspiel, Theater und Feuerspektakel. Der zweite und dritte Tag sind Markttage mit historischem Programm mit altem Kunsthandwerk, Spiel, Tanz und Musikanten, Gauklern, Bänkelsängern, Possenreißern und fahrendem Volk.

Dass sich eine solche Masse an Menschen reibungslos durch die Gassen bewegt, liegt an den vielen Ehrenamtlichen im Hintergrund. Ohne Brandschutzkonzepte und unsichtbar verlegte Stromkabel für die Kühlketten der Gastronomie funktioniert die historische Illusion heute natürlich nicht mehr. Doch diese modernen Auflagen drängen sich nicht auf; das Orga-Team des Vereins sorgt geräuschlos dafür, dass das Fest-Erlebnis ungestört im Vordergrund steht.

Nach Feierabend direkt ins Mittelalter

Das Fest wird von der lokalen Gemeinschaft getragen. Viele, die nachmittags noch im Büro saßen oder in der Werkstatt standen, schlüpfen nach Feierabend in ihre historischen Gewänder. Der Korn- und Hansemarkt ist ein Herzensprojekt, da reicht die Zeit zwischen Arbeitsende und Markteröffnung locker, um die Kinder von der Kita oder Schule abzuholen, ihnen die Schnürhemden zuzubinden und rechtzeitig auf dem Platz zu sein.

Der „Historische Korn- und Hansemarkt“ wurde erstmals im Jahre 1983 ausgerichtet und lockt seither im Rhythmus von zwei Jahren immer wieder zahlreiche begeisterte Besucher in die Mauern der alten Hansestadt. Der Nachwuchs, der heute mit großen Augen den Feuerspuckern zuschaut oder im hölzernen Handkurbel-Riesenrad sitzt, wächst ganz selbstverständlich in diese Tradition hinein. Der Korn- und Hansemarkt ist ein gewachsenes Fest, das die Region für sich und ihre Gäste selbst macht. Es entführt mit Leidenschaft und Leichtigkeit ins mittelalterliche Haselünne, bis am Sonntagabend gegen 18 Uhr die letzten Klänge verhallen und der Montag langsam die Gegenwart zurückbringt.

Tickets und Infos gibt es auf der Vereinsseite kornundhansemarkt.de.