Zeitwertkonten helfen, Job und Leben in Einklang zu halten
Flexibilität im Job: Zeitwertkonten im Emsland verwandeln starre Arbeitszeit in Lebenszeit.
Zeitwertkonten im Emsland

Von Arbeitszeit zu Lebenszeit

Wie kann es einem Unternehmen oder gleich einer ganzen Region gelingen, seine Arbeitnehmer zu halten? Abwandern wird unattraktiv, wenn die Menschen zufrieden sind, weil sie in ihren individuellen Lebensphasen flexibel auf Bedürfnisse reagieren können. Eine Möglichkeit dafür ist der Einsatz von Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodellen.

Wer im Emsland aufwächst, nach den ersten Karriereschritten in der Fremde zurückkehrt oder für den Job ins Emsland zieht, sucht meistens eines: Lebensqualität. Große Gärten, bezahlbarer Wohnraum und eine sichere Umgebung für die eigenen Kinder machen die Region traditionell zum idealen Pflaster für junge Familien. Doch die Anforderungen an den Job haben sich verändert. Gerade für die Generation, die mitten in der Familienplanung steckt oder am Anfang ihrer Karriere steht, ist Zeit der neue Luxus geworden.

Genau hier setzt ein Modell an, das aktuell das Zeug dazu hat, das Emsland als moderne Arbeitsregion komplett neu aufzustellen: das Lebensarbeitszeitkonto. Das Lingener Unternehmen Foresight zeigt gemeinsam mit der Wachstumsregion Ems-Achse, wie aus starrer Arbeitszeit flexibel gestaltbare Lebenszeit wird.

Die Rushhour des Lebens flexibel meistern

„Bei mir in der Beratung sitzen die Leute oft bis 30 und dann wieder ab 48 Jahren“, erklärt Jürgen Zink von Foresight. Dazwischen liegt die klassische „Rushhour des Lebens“: Das Haus wird abbezahlt, die Kinder kommen auf die Welt, und das Geld ist oft knapp. Zwar gibt es gesetzliche Optionen wie die Elternzeit, doch das Elterngeld ist begrenzt und der komplette Einkommensverzicht in einer späteren Phase ist für viele Familien schlicht nicht umsetzbar.

Das Prinzip der Zeitwertkonten löst dieses Problem elegant: In Lebensphasen mit finanziellem Spielraum – etwa zwischen 20 und 30 Jahren – verzichten Mitarbeiter auf einen kleinen Teil ihres Bruttogehalts (z. B. 10 Prozent), was im Alltag kaum auffällt. Dieses Guthaben wird steuer- und sozialabgabenfrei auf einem persönlichen Lebensarbeitszeitsparbuch angespart.

Der Praxis-Gewinn: Wer den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule entspannt begleiten möchte, nimmt sich einfach zwei Monate Auszeit – bei fortlaufendem, vollem Gehalt und bestehender Krankenversicherung.

Dass dieses Modell funktioniert, beweist die Praxis in der Region: Beim Vitus Werk in Meppen läuft das System seit über drei Jahren. Das Ergebnis? In der gesamten Zeit gab es nur einen einzigen personellen Abgang von Mitarbeitern, die das Modell nutzen. „Wenn ich den Arbeitnehmern die Freiheit gebe, ihr Leben mit dem Job in Einklang zu bringen, dann binde ich sie langfristig“, so Zink. Auch das Christophorus-Werk, das Deutsche Rote Kreuz Emsland, die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe, Becker Bauunternehmen und die Jansen Holding aus dem Emsland setzen bereits auf Zeitwertkonten, weitere Unternehmen sind bereits dabei, die Möglichkeiten für sich auszuloten.

Warum viele Chefs noch zögern – und warum Foresight das Risiko nimmt

Obwohl der Nutzen auf der Hand liegt, scheuen viele mittelständische Betriebe im Emsland noch vor der Einführung zurück. Die Gründe sind oft die Unwissenheit bzw. Vorurteile über bürokratischen Aufwand und finanzielle Haftungsrisiken. Bei klassischen Bank- oder Versicherungsmodellen fressen Abschluss- und Verwaltungskosten die Beiträge der Arbeitnehmer in den ersten Jahren regelrecht auf. Kündigt ein Mitarbeiter nach wenigen Jahren, entsteht eine Deckungslücke, für die der Arbeitgeber rechtlich haftet.

Foresight bricht mit diesen alten Mustern. Das Lingener Unternehmen hat ein absolut gesetzeskonformes Modell entwickelt, bei dem die Konten der Arbeitnehmer niemals mit Kosten belastet werden. Jeder eingezahlte Euro bleibt zu 100 Prozent erhalten, da sich die Gebühren direkt aus den Anlageerträgen finanzieren. Zudem übernimmt Foresight die komplette administrative Last im Hintergrund – von den insolvenzsicheren Treuhandstrukturen bis zur Software-Anbindung. Damit wird das Modell auch für kleinere, inhabergeführte Familienunternehmen im Emsland hochgradig attraktiv und kalkulierbar.

Außerdem bekommt jedes Unternehmen ein zu ihm passendes Regelwerk. So werden Fristen für die Ankündigung von Auszeiten definiert und auch die maximale Länge kann bestimmt werden, um Planbarkeit für alle zu schaffen. Jedes Unternehmen vergibt einen eigenen, passenden Namen für sein Zeitwertkonto-Angebot und Foresight ist Dienstleister für das Unternehmen.

Unabhängige Beratung statt interner Hierarchien

Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Konzepts ist die Rolle von Foresight als neutrale Schnittstelle. Viele Mitarbeiter haben Hemmungen, private Zukunftspläne wie ein Sabbatical, eine Fortbildung oder die anstehende Pflege von Angehörigen bereits in einer frühen Phase direkt in der Personalabteilung zu besprechen.

Deshalb sind die Experten von Foresight regelmäßig direkt vor Ort in den emsländischen Betrieben und sozialen Einrichtungen. In persönlichen Beratungsgesprächen wird die individuelle soziale Situation analysiert.

  • Maßgeschneiderte Lösungen: Es wird genau geprüft, ob ein Zeitwertkonto im Einzelfall Sinn ergibt. Bei anstehenden Schwangerschaften oder drohendem Krankengeldbezug wird beispielsweise aktiv abgeraten, um spätere staatliche Leistungen nicht zu schmälern.
  • Clevere Steuereffekte: Oft lassen sich über das Zeitkonto Gehaltserhöhungen so ansparen, dass staatliche Zuschüsse (wie der Kinderzuschlag, BAföG für die studierenden Kinder oder Bezug von Witwenrente) erhalten bleiben.

„In der Praxis ist es sonst so, dass sich Arbeitnehmer krankschreiben lassen, wenn sie vom Arbeitgeber blockiert werden – das zerrüttet das Verhältnis, denn einen pflegebedürftigen Angehörigen lässt man nicht sitzen“, erklärt Kai Freudenberger, Leiter der Fachberatung bei Foresight. „Zeitwertkonten erhöhen durch ihre Regeln also auch die Planbarkeit für Arbeitgeber.“

Die Vision: Ein regionales Netzwerk für das gesamte Emsland

Während große Konzerne wie VW oder BMW seit dem „Flexigesetz“ von 1998 eigene Abteilungen für die Verwaltung von Arbeitszeitguthaben abstellen, will Foresight das Modell nun flächendeckend in den Mittelstand bringen.

Die gemeinsame Vision mit der Emsachse und den regionalen Wirtschaftsförderungen ist ambitioniert: Zeitwertkonten sollen zum neuen Standard im gesamten Emsland werden. Ziel ist es, ein regionales Netzwerk zu schaffen, bei dem das mühsam angesparte Guthaben eines Mitarbeiters unkompliziert „mitzieht“, wenn er den Arbeitgeber innerhalb der Region wechselt.

In Zeiten des Fachkräftemangels gewinnt das Thema Flexibilität enorm an Relevanz. Unternehmen, die an starren, alten Denkmustern festhalten, werden im Wettbewerb um die besten Köpfe langfristig das Nachsehen haben. Moderne Lebensarbeitszeitmodelle signalisieren jungen Bewerbern schon beim Einstieg: Hier wirst du nicht nur als Arbeitskraft gesehen, sondern als Mensch mit einem Leben außerhalb des Büros. Und das ist am Ende die beste Außenwerbung für das Emsland als Heimat zum Leben und Arbeiten.