Die spannendsten Projekte und die höchste Lebensqualität warten oft dort, wo Familien über Generationen wurzeln können. Fabio Albers steigt als dritte Generation in das Familienunternehmen ELA Container ein
ELA Container

Wie die Next Gen im Emsland die Wirtschaft von morgen gestaltet

Das Emsland ist bekannt für seine Bodenständigkeit und seine starken Familienunternehmen. Doch wie gelingt der Sprung in eine digitale, globalisierte Zukunft? Fabio Albers, Director Treasury bei ELA Container, ist einer der Rückkehrer, die nach Jahren in internationalen Städten bewusst den Weg zurück in die Heimat gewählt haben. Seine Geschichte ist ein Beispiel für ein regionales Phänomen: Eine junge Generation übernimmt Verantwortung – und kombiniert Weltgewandtheit mit emsländischen Werten.

„Wir hatten am Küchentisch eine sehr offene Kultur, in der Familiäres und Geschäftliches fließend ineinander übergingen”, erzählt Fabio Albers. „Das hat uns total viel Spaß gemacht, weil wir schon als Kinder entspannt mitgenommen wurden und spielerisch Unternehmensluft schnuppern konnten – und umgekehrt war auch das Unternehmen immer familiär“, erinnert sich der heute 29-Jährige.

Trotzdem war der Einstieg ins Familienunternehmen kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Die Albers-Group hat sich – wie viele moderne emsländische Betriebe – klare Regeln gegeben. In einer sogenannten Familienverfassung ist festgeschrieben, wie der Übergang zwischen den Generationen gelingt. „Es werden keine Stellen für Familienmitglieder geschaffen. Man muss Kompetenzen mitbringen, die das Unternehmen aktiv benötigt“, stellt Fabio klar.

Eine weitere Bedingung: Wer in die Führungsebene möchte, muss erst einmal seine Hausaufgaben machen, extern Erfahrungen sammeln und sich „die Hörner abstoßen“. Dazu zählt natürlich ein Studium, aber eben auch mehrjährige Auslands- und Arbeitserfahrung.

Großes Unternehmen, große Erwartungen an den Nachwuchs?

Die ELA Container begegnen einem weltweit, das Unternehmen ist ein führender Anbieter für maßgeschneiderte, mobile Modullösungen auf Containerbasis. Seit der Gründung 1972 hat sich das Familienunternehmen zu einem globalen Akteur entwickelt, der heute von Fabios Vater Günter Albers, Dr. Stefan Leopold, Fabios Schwester Pia Albers und Dr. Sven Hartung geleitet wird. Mit einer Flotte von 60.000 Containern und über 650.000 Mietartikeln realisiert ELA temporäre Gebäude jeder Größe – von der Beratung und Planung bis zur Montage. Rund 1.600 Beschäftigte an 18 internationalen Standorten bringen das Unternehmen voran.

Zwingt eine so lange, enge Verflechtung von Familie und Unternehmen nicht irgendwann in die Nachfolge? „Tatsächlich haben uns unsere Eltern und auch Tante und Onkel immer sehr viel Freiheit gelassen. Es wurde nie erwartet , dass einer von uns in den Unternehmen startet“, erklärt Fabio und ergänzt: „Die haben immer gesagt: Zieht erstmal los, lernt extern, schaut, was euch liegt. Und dann haben wir eben diesen Nachfolgeprozess.“ Der begann mit „dem ersten Anklopfen“: das erste informelle Gespräch mit Tim, Liesel und Günter Albers – der Unternehmensführung der zweiten Generation – sowie seiner Schwester Pia. Dabei hat Fabio sein generelles Interesse bekundet und erklärt, in welche Richtung er sich beruflich entwickeln möchte.

Das „Emsland-Phänomen“: Erst gehen, um besser zurückzukommen

Sein Weg führte Fabio nach dem Abitur in Haren weit weg: Neuseeland, Kanada, ein Bachelor- und ein Master-Studium in den Niederlanden. Er schnupperte „Beratungsluft“ bei KPMG in Dubai und arbeitete für Liebherr in Moskau. Arbeitsstationen waren bei Weltkonzernen wie BMW, Henkel und der Unternehmensberatung Deloitte.

Was er dort lernte – insbesondere im Bereich Finance Transformation und Digitalisierung – bildet heute das Fundament für seine Arbeit in Haren. Doch trotz der glänzenden Fassaden der Großstädte riss der Kontakt zur Heimat nie ab. „Die Clique von damals ist immer noch verbunden. Wir treffen uns regelmäßig, viele meiner Freunde aus der Schulzeit sind auch hier geblieben oder zurückgekehrt“, sagt er. „Die Freundeskreise ergänzen und mischen sich und wir erweitern unsere Netzwerke.“

Dieses Emsland-Phänomen ist eine der geheimen Zutaten für die Stärke der Region: Die Dichte an Weltmarktführern im Emsland ist überdurchschnittlich hoch und schafft berufliche Perspektiven. Aber während man in München oder Düsseldorf einen Großteil des Gehalts für kleine Wohnungen ausgibt, bietet das Emsland Raum für Eigenheime und Gärten und gilt darüber hinaus als sicher und familienfreundlich.

Strategisches Finanzmanagement für die Zukunft

Seit Juli 2025 ist Fabio Albers zurück und transformiert bei ELA Container als Director der neu geplanten CFU Treasury die Finanzstrukturen der gesamten Gruppe. Sein Ziel: weitere Transparenz schaffen und Prozesse durch moderne Technologie planbarer machen. Dabei geht er nicht allein vor. Er schätzt die Gespräche mit erfahrenen Mentoren aus dem Unternehmen und den familieninternen Austausch mit seiner älteren Schwester Pia.

Die Verantwortung verteilt sich so auf mehrere Schultern. „Man hat hier viele Mitgestaltungsmöglichkeiten“, schwärmt Fabio. Seine Tante Liesel, langjährige CFO und heute im Beirat, ermutigte ihn beim Einstieg, alles kritisch zu hinterfragen. Diese Offenheit und das Vertrauen in die nächste Generation prägen den emsländischen Mittelstand. Sein Anklopfen war zeitlich und fachlich ein Match: Aufgrund des Wachstums ließ Liesel bereits Finanzprozesse durch eine Beratung analysieren, um die Struktur vor ihrem Rückzug aus der Geschäftsführung neu zu ordnen. Fabio übernimmt nun die Umsetzung.

Die Zukunft ist verwurzelt

Von Salzbergen bis Papenburg übernehmen im Emsland derzeit junge Talente das Ruder. Sie vernetzen sich, um gemeinsam Antworten auf Fragen wie Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und Künstliche Intelligenz zu finden. Dieser Generationswechsel ist kein Zeichen von Umbruch, sondern von Kontinuität. Die jungen Nachfolger bringen frische Impulse aus der Welt mit, bewahren aber die Grundwerte: Verlässlichkeit, Handschlagqualität und eine tiefe soziale Verwurzelung. Man kennt sich, man hilft sich. Die „Moin-Kultur“ sorgt für flache Hierarchien. 

Für Fabio ist das Emsland kein Plan B, sondern eine Region mit klaren Standortvorteilen. Hier kann er auf globalem Niveau mit bodenständigen Menschen zusammenarbeiten. Sie haben Lust darauf, die Dinge gemeinsam anzupacken und die Region voranzubringen. Und das nicht nur für das nächste Quartal, sondern nachhaltig und langfristig. Für ihn ist klar: Wer etwas bewegen will, muss nicht in Berlin oder London bleiben. Die spannendsten Projekte und die höchste Lebensqualität warten oft dort, wo Familien über Generationen wurzeln können.