„Man sagt den Norddeutschen ja nach, dass sie eher stur und in sich gekehrt seien. Das mag von außen so erscheinen, aber wenn man erst einmal angekommen ist und wirklich Kontakte knüpfen will, dann ist es eigentlich ganz einfach.“ Stefan Gieger, Wahl-Emsländer, geboren in Sachsen-Anhalt
Neue Heimat Emsland

Gekommen, um zu bleiben

Aus „Mitteldeutschland“ kam Stefan Gieger vor rund zwei Jahren ins Emsland. Wieder weg zu ziehen ist keine Option – wegen des Jobs, der Region und nicht zuletzt wegen der netten Menschen. Für Gieger hat das Leben an der Ems einen besonderen Charme, er hat hier die perfekte Balance gefunden zwischen Arbeit und Hobby, zwischen Stadt und Natur.

Viele Paare kennen die Situation: Man will ein gemeinsames Leben anfangen, aber mindestens einer von beiden muss dafür seine Heimat hinter sich lassen. Vor einigen Jahren stellte sich auch für Stefan Gieger und seine damalige Freundin die Frage, ob sie in seinen Geburtsort Dessau in Sachsen-Anhalt zieht oder er zu ihr ins Emsland. Die Entscheidung fiel im Jahr 2016 für Niedersachsen und Lingen. Auch wenn die beiden heute nicht mehr zusammen sind – Gieger fühlt sich im Nord-Westen und besonders bei seinem Arbeitgeber, der Alwin Otten GmbH in Meppen, einfach wohl. Er möchte hier blieben, „auf unbestimmte Zeit“, wie er mit einem Grinsen ergänzt.

Wertschätzung, im Großen wie im Kleinen

Im Emsland-Kurier stolperte der gelernte Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik über eine Jobanzeige für Quereinsteiger als Kälteanlagenbauer. Die Branche war ihm über seinen Bruder, der eine Ausbildung zum Kälteanlagenbauer abgeschlossen hat, bereits vertraut und so bewarb er sich bei Otten. Eingestellt wurde er dann doch im Bereich Elektrotechnik. „Das ist auch gut so, ich bin gern Elektriker. Insbesondere bei größeren, komplexeren Projekten arbeiten wir aber natürlich eng mit den Kollegen aus der Kältetechnik zusammen.“

Freundlich und kollegial ist das Betriebsklima bei Otten, berichtet Gieger, auch im Hinblick auf die Vorgesetzten. „Unsere Arbeitszeit beginnt zum Beispiel mit dem Packen der Werkzeug- und Materialtaschen, Feierabend ist bei der Rückkehr aufs Gelände. Das ist im Handwerk nicht selbstverständlich, einige Betriebe rechnen ihren Angestellten die Anfahrt zur Baustelle nicht an, um Geld zu sparen. Für die Mitarbeiter kann das einen erheblichen unbezahlten Mehraufwand bedeuten. Ich habe aber schon den Eindruck, dass es vielen, gerade mittelständischen Unternehmen im Emsland sehr gut geht und die Mitarbeiter wie bei uns entsprechend wertgeschätzt werden.“

„Jeder findet seine Nische“

Nach Feierabend investiert der Elektriker viel Zeit in die Musik, er brennt für Alternative. „Früher war ich mal Sänger in einer Band“, erzählt Gieger etwas zurückhaltend, die Leidenschaft für sein Hobby ist aber in jedem Satz zu spüren. „Heute spiele ich vor allem für mich. Es ist cool, dass es auch hier im Emsland für fast jedes Interesse eine Community gibt. Das denkt man gar nicht, wenn man hier hinkommt. Vielleicht ist die Szene dann nicht so riesengroß wie in den Millionenstädten, aber sogar in einigen Clubs in Lingen wird ‚meine‘ Musik gespielt.“

Auch einen neuen Freundeskreis hat sich Wahl-Emsländer Gieger mittlerweile aufgebaut. „Die Leute in der Region sind alle gut vernetzt. Man hat viele Möglichkeiten sich zu engagieren und zum Beispiel über Vereine und Ehrenamt Kontakte zu knüpfen. Wer will, findet im Emsland bestimmt seinen Platz und die richtigen Menschen zum glücklich werden.“